Pfarrerskind Charlotte, „Ich will gute Gemeinschaft“

„Ich will gute Gemeinschaft“

#Pfarrerskind

Als Kind hat Charlotte gemeinsam mit ihrem Vater Predigten geschrieben. Das ist eigentlich die optimale Voraussetzung, Theologie zu studieren, findet sie.

Charlotte, die Verbindung ist nicht so gut, wo erreiche ich dich gerade?

Ich bin seit August auf Iona, das ist eine kleine schottische Insel mit einer interessanten Vergangenheit, denn von hier aus entwickelte sich das Christentum in Schottland. Heute gibt es auf der Insel eine ökumenische Kommunität, bei der internationale Gäste unter dem Motto Work and Worship zusammenkommen. Ich lebe und arbeite derzeit mit 29 Freiwilligen aus acht verschiedenen Ländern zusammen.

Wow, das klingt spannend. Was war dein erster Eindruck, als du auf der Insel angekommen bist?

Das erste Mal war ich im August 2015 auf Iona – nach meinem Abitur. Zunächst mal muss man nach Glasgow fliegen, wo ich dann feststellte, dass mein Koffer nicht auf dem Band war. Also ging ich erst mal an den Schalter für verlorenes Gepäck. Der Typ, der meine Adresse aufnahm, war ein richtiger Glasgower Schotte – man nennt die hier Glaswegians – und hatte diesen verrückten Akzent. Für mich ist es heute noch ein Wunder, dass dieser Koffer wirklich irgendwann den Weg zu mir nach Iona gefunden hat. Als ich dann auf der Insel ankam, regnete es an einem Stück. Weil ich meine Taschenlampe vergessen hatte, musste ich nach dem ersten Pub-Besuch im Dunkeln den Weg finden und habe mich glatt auf der kleinen Insel verlaufen.

Wie kann man sich das Leben in einer Kommunität vorstellen?

Das Faszinierendste ist eigentlich, dass man so viel miteinander teilt und darüber ein ganz anderes Gefühl für die Menschen um sich herum bekommt. In Deutschland fühle ich mich für Bekannte nicht so verantwortlich wie hier für die anderen Freiwilligen. Ich teile mir ein Zimmer mit Menschen, die ich anfangs überhaupt nicht kannte. Da muss man ins kalte Wasser springen. Auch wenn das ein wenig komisch klingt: Irgendwie habe ich das Gefühl, hier ein besserer Mensch sein zu können, einfach, weil ich gezwungen bin, mehr darauf zu achten, wie es den anderen in meinem Umfeld geht.

Hast du den Eindruck, dass unserer Gesellschaft dieses Gemeinschaftsgefühl fehlt?

Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, unsere Gesellschaft entwickelt gerade ein Weltbild, das sich vor allem um individuelle Bedürfnisse dreht. Meine Vision für Deutschland ist es, eine ähnliche Community-Arbeit aufzubauen. Ich glaube, dass diese Form des Zusammenlebens eine gute Möglichkeit ist, Gott näher zu kommen: in der Gemeinschaft zu üben, wie man andere akzeptieren kann; verzeihen zu lernen, wenn man nicht miteinander klarkommt. Wenn ich ein bisschen von diesem Iona-Gefühl mit nach Deutschland mitnehmen kann, wäre das schon großartig.

"Als Pfarrerskind hat man bei den Leuten immer einen Stein im Brett, die Frage ist nur ob im positiven oder im negativen Sinne."

Du bist selbst in einem Pfarrhaus aufgewachsen. Wie gestaltet sich das Leben in der Öffentlichkeit einer Kirchengemeinde?

Als Pfarrerskind hat man bei den Leuten immer einen Stein im Brett, die Frage ist nur ob im positiven oder im negativen Sinne. Ich kann mich erinnern, dass ich auf Partys manchmal erstaunt gefragt wurde, warum ich denn eigentlich Alkohol trinke. Da gibt es einfach viele Vorurteile, und ich habe natürlich immer gern dafür gesorgt, diese aus der Welt zu schaffen.

Woran erinnerst du dich, wenn du an deine Kindheit denkst?

Ganz spontan? Ich bin in Rothenburg aufgewachsen. Von unserem Garten aus hatte man einen guten Blick auf die Kirche, und immer wenn Touristen in die Nähe der Kirche kamen, ging ich hin und bot ihnen eine Kirchenführung an. Wenn meine Schwester und ich uns langweilten, spielten wir „Gesangbuch-Lieder-Raten“ - das sind wohl Dinge, die andere Kinder nicht unbedingt gemacht haben. Außerdem erinnere ich mich an letzte Urlaubstage, in denen wir Geschwister auf der Rückbank saßen und gemeinsam mit meinem Vater den Predigttext für Sonntag diskutierten.

Hast du selbst auch mal darüber nachgedacht, Theologie zu studieren? Jetzt, wo du das Grundstudium gewissermaßen schon auf der Rückbank absolviert hast …

Ja, tatsächlich. Ich bin ab Oktober für Theologie an der HU Berlin eingeschrieben.

Ach wirklich? Was hat dich dazu bewegt?

Bevor ich letztes Jahr nach Iona gekommen bin, habe ich nie darüber nachgedacht. Medien, Regie oder Kunst waren eigentlich eher meine Wunschfächer. Aber als ich hier ankam, war ich wirklich von der Gemeinschaft überwältigt. Ich weiß noch nicht, ob ich Pfarrerin werden möchte, aber allein dieser Community-Aspekt macht es in meinen Augen sinnvoll, das auszuprobieren.

 

Charlotte Bernhardt, 21 Jahre alt, wohnt und arbeitet derzeit auf Iona. Wenn sie nicht gerade an einem Ceilidh (schottischer Tanz) oder einem Yogakurs auf dem Klosterrasen teilnimmt, geht sie mit anderen Freiwilligen nach dem Gottesdienst in den Pub.

 

Iona ist eine christliche Gemeinschaft, auf der Insel Iona an der Westküste Schottlands. Die 250 aktiven Mitglieder suchen nach neuen Wegen, den Glauben in der Gesellschaft zu leben. Dazu gehören eine eigene Jugendarbeit, Lieder und Gottesdienstformen und ein besonderes Engagement für die Friedenspolitik. In Iona leben Menschen mit unterschiedlichen Konfessionen in einer Gemeinschaft miteinander. Mehr Informationen unter http://www.ionacommunity.de/.

 

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„Ich will gute Gemeinschaft“

Als Kind hat Charlotte gemeinsam mit ihrem Vater Predigten geschrieben. Das ist eigentlich die optimale Voraussetzung, Theologie zu studieren, findet sie.

Charlotte, die Verbindung ist nicht so gut, wo erreiche ich dich gerade?

Ich bin seit August auf Iona, das ist eine kleine schottische Insel mit einer interessanten Vergangenheit, denn von hier aus entwickelte sich das Christentum in Schottland. Heute gibt es auf der Insel eine ökumenische Kommunität, bei der internationale Gäste unter dem Motto Work and Worship zusammenkommen. Ich lebe und arbeite derzeit mit 29 Freiwilligen aus acht verschiedenen Ländern zusammen.

Wow, das klingt spannend. Was war dein erster Eindruck, als du auf der Insel angekommen bist?

Das erste Mal war ich im August 2015 auf Iona – nach meinem Abitur. Zunächst mal muss man nach Glasgow fliegen, wo ich dann feststellte, dass mein Koffer nicht auf dem Band war. Also ging ich erst mal an den Schalter für verlorenes Gepäck. Der Typ, der meine Adresse aufnahm, war ein richtiger Glasgower Schotte – man nennt die hier Glaswegians – und hatte diesen verrückten Akzent. Für mich ist es heute noch ein Wunder, dass dieser Koffer wirklich irgendwann den Weg zu mir nach Iona gefunden hat. Als ich dann auf der Insel ankam, regnete es an einem Stück. Weil ich meine Taschenlampe vergessen hatte, musste ich nach dem ersten Pub-Besuch im Dunkeln den Weg finden und habe mich glatt auf der kleinen Insel verlaufen.

Wie kann man sich das Leben in einer Kommunität vorstellen?

Das Faszinierendste ist eigentlich, dass man so viel miteinander teilt und darüber ein ganz anderes Gefühl für die Menschen um sich herum bekommt. In Deutschland fühle ich mich für Bekannte nicht so verantwortlich wie hier für die anderen Freiwilligen. Ich teile mir ein Zimmer mit Menschen, die ich anfangs überhaupt nicht kannte. Da muss man ins kalte Wasser springen. Auch wenn das ein wenig komisch klingt: Irgendwie habe ich das Gefühl, hier ein besserer Mensch sein zu können, einfach, weil ich gezwungen bin, mehr darauf zu achten, wie es den anderen in meinem Umfeld geht.

Hast du den Eindruck, dass unserer Gesellschaft dieses Gemeinschaftsgefühl fehlt?

Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, unsere Gesellschaft entwickelt gerade ein Weltbild, das sich vor allem um individuelle Bedürfnisse dreht. Meine Vision für Deutschland ist es, eine ähnliche Community-Arbeit aufzubauen. Ich glaube, dass diese Form des Zusammenlebens eine gute Möglichkeit ist, Gott näher zu kommen: in der Gemeinschaft zu üben, wie man andere akzeptieren kann; verzeihen zu lernen, wenn man nicht miteinander klarkommt. Wenn ich ein bisschen von diesem Iona-Gefühl mit nach Deutschland mitnehmen kann, wäre das schon großartig.

"Als Pfarrerskind hat man bei den Leuten immer einen Stein im Brett, die Frage ist nur ob im positiven oder im negativen Sinne."

Du bist selbst in einem Pfarrhaus aufgewachsen. Wie gestaltet sich das Leben in der Öffentlichkeit einer Kirchengemeinde?

Als Pfarrerskind hat man bei den Leuten immer einen Stein im Brett, die Frage ist nur ob im positiven oder im negativen Sinne. Ich kann mich erinnern, dass ich auf Partys manchmal erstaunt gefragt wurde, warum ich denn eigentlich Alkohol trinke. Da gibt es einfach viele Vorurteile, und ich habe natürlich immer gern dafür gesorgt, diese aus der Welt zu schaffen.

Woran erinnerst du dich, wenn du an deine Kindheit denkst?

Ganz spontan? Ich bin in Rothenburg aufgewachsen. Von unserem Garten aus hatte man einen guten Blick auf die Kirche, und immer wenn Touristen in die Nähe der Kirche kamen, ging ich hin und bot ihnen eine Kirchenführung an. Wenn meine Schwester und ich uns langweilten, spielten wir „Gesangbuch-Lieder-Raten“ - das sind wohl Dinge, die andere Kinder nicht unbedingt gemacht haben. Außerdem erinnere ich mich an letzte Urlaubstage, in denen wir Geschwister auf der Rückbank saßen und gemeinsam mit meinem Vater den Predigttext für Sonntag diskutierten.

Hast du selbst auch mal darüber nachgedacht, Theologie zu studieren? Jetzt, wo du das Grundstudium gewissermaßen schon auf der Rückbank absolviert hast …

Ja, tatsächlich. Ich bin ab Oktober für Theologie an der HU Berlin eingeschrieben.

Ach wirklich? Was hat dich dazu bewegt?

Bevor ich letztes Jahr nach Iona gekommen bin, habe ich nie darüber nachgedacht. Medien, Regie oder Kunst waren eigentlich eher meine Wunschfächer. Aber als ich hier ankam, war ich wirklich von der Gemeinschaft überwältigt. Ich weiß noch nicht, ob ich Pfarrerin werden möchte, aber allein dieser Community-Aspekt macht es in meinen Augen sinnvoll, das auszuprobieren.

 

Charlotte Bernhardt, 21 Jahre alt, wohnt und arbeitet derzeit auf Iona. Wenn sie nicht gerade an einem Ceilidh (schottischer Tanz) oder einem Yogakurs auf dem Klosterrasen teilnimmt, geht sie mit anderen Freiwilligen nach dem Gottesdienst in den Pub.

 

Iona ist eine christliche Gemeinschaft, auf der Insel Iona an der Westküste Schottlands. Die 250 aktiven Mitglieder suchen nach neuen Wegen, den Glauben in der Gesellschaft zu leben. Dazu gehören eine eigene Jugendarbeit, Lieder und Gottesdienstformen und ein besonderes Engagement für die Friedenspolitik. In Iona leben Menschen mit unterschiedlichen Konfessionen in einer Gemeinschaft miteinander. Mehr Informationen unter http://www.ionacommunity.de/.

 

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