Pfarrerskind Justus, „Das sind meine Werte“

„Das sind meine Werte“

#Pfarrerskind

Justus hat sich entschieden, Marineoffizier zu werden und findet: Da gibt es durchaus einen Zusammenhang mit dem Pfarramt.

Justus, deine Eltern sind beide Pfarrer. Du hast dich entschieden, Marinesoldat zu werden. Das klingt erst mal wie das Gegenteil von Pfarrer.

Nee, kann ich eigentlich nicht bestätigen. Ich bin definitiv nicht Marinesoldat geworden, weil ich genau das Gegenteil von meinen Eltern machen wollte. Meine Eltern haben mir immer vermittelt, dass es wichtig ist, für die Gemeinschaft einzustehen. Ich dachte, das lässt sich gut mit dem Beruf eines Marineoffiziers vereinbaren.

Das ist kein Job, für den man sich so nebenbei entscheidet. Was hat dich daran fasziniert?

Ich habe eine große Faszination für das Meer – ich bin in Schleswig-Holstein aufgewachsen und war oft am Wasser. Aber mich hat auch die Kameradschaft begeistert, die in der Kaserne wirklich gelebt wird. Außerdem halte ich die Werte, für die Deutschland steht, nicht für selbstverständlich. Ich möchte gerne meinen Teil dazu beitragen, das zu erhalten.

Wie haben denn deine Eltern reagiert, als du ihnen von deinen Plänen erzählt hast?

Mein Vater war lange Militärpfarrer und sofort begeistert. Meine Mutter konnte meine Entscheidung auch nachvollziehen, aber sie musste sich erst mal mit dem Gedanken anfreunden, dass ihr Sohn irgendwann Kriegseinsätze mitmachen wird, dass ich vielleicht mal längere Zeit nicht erreichbar sein werde oder auch mal in eine brenzlige Situation kommen kann.

Gerade als Soldat an der Waffe steht man ja immer wieder vor ethischen Fragen. Spielt dein christlicher Hintergrund hier eine Rolle für dich?

Ich bin mit den christlichen Werten aufgewachsen, das ist so etwas wie ein fester Anker für mich. Wir haben bei der Bundeswehr ja auch Ethikunterricht, aber vor allem finde ich es beeindruckend, dass diese Werte vom Führungspersonal auch vorgelebt werden. Während der Grundausbildung gab es zum Beispiel eine Situation mitten im Wald, in der jemand aus unserer Gruppe nicht mehr konnte. Da hat unser Vorgesetzter sehr einfühlsam reagiert und ihm von Mensch zu Mensch Mut zugesprochen.

Pfarrer ist ja ein Beruf, der die ganze Familie beeinflusst. Wie ist es denn, wenn gleich beide Elternteile im Pfarramt arbeiten?

Wir waren ein sehr diskussionsfreudiger Haushalt. Ich weiß zwar nicht, ob das mit dem Pastorendasein zu tun hat, aber wir haben über viele Themen diskutiert, von Politik bis zur Kirche. Sonntags musste ich nicht unbedingt in den Gottesdienst, das war immer eine freiwillige Veranstaltung. Aber wenn ich dann dort saß und gesehen habe, dass die ganze Gemeinde gerade meinen Vater anschaut – das ist schon ein besonderes Gefühl, das nur Pfarrerskinder kennen.

"Wir waren ein sehr diskussionsfreudiger Haushalt. Wir haben über viele Themen diskutiert, von Politik bis zur Kirche."

Wie ist es denn, wenn man auf dem Präsentierteller einer Kirchengemeinde aufwächst. Wenn man in der Pubertät mit einer Bierflasche erwischt wird, weiß es doch gleich die ganze Gemeinde, oder?

Ja, das stimmt, darüber habe ich auch ab und zu mit meinen Eltern gesprochen. Aber ich bin nie wirklich in eine Situation gekommen, die irgendwie hätte peinlich werden können. Ich habe mich natürlich auch nicht mit der Bierflasche direkt vor die Kirche gesetzt. Mir war schon bewusst, dass ich meine Eltern repräsentiere.
Ab und zu sind auch Menschen zu mir gekommen und haben gesagt: „Ach, du bist doch der Sohn vom Pastor, was macht denn die Schule?“ Man selbst denkt dann innerlich: „Kenne ich die Person überhaupt?“ Aber eigentlich waren die Menschen aus unserer Gemeinde nicht aufdringlich, sondern einfach nur interessiert, und das hat mich dann immer gefreut.

Wir richten uns an Menschen, die gern Pfarrer werden wollen. Was glaubst du, sollte eine Pfarrerin oder ein Pfarrer können?

Ich glaube, man muss wirklich voll von dem Beruf überzeugt sein. Man transportiert ja eine Botschaft an Menschen, die daraus Kraft schöpfen und für die die Predigt ein Highlight der Woche ist. Außerdem muss man gut mit Menschen umgehen können, muss einfühlsam auf ihre Ängste und Nöte reagieren und vor allem Spaß an der Gemeinschaft haben – vom Kleinkind bis zum Senior. Man sollte sich vielleicht auch bewusst sein, dass man als Pastorin oder Pastor im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht. Wenn die Gemeinde zufrieden ist, dann ist alles gut, aber wenn nicht, dann bekommt man auch viel Kritik zu hören. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht immer einfach ist.

Justus Seiß ist 18 Jahre alt und hat vor Kurzem sein Abitur gemacht. Derzeit ist er bei der Bundeswehr an der Marineschule Mürwik, wo er den Weg des Offiziersanwärters eingeschlagen hat.

 

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„Das sind meine Werte“

Justus hat sich entschieden, Marineoffizier zu werden und findet: Da gibt es durchaus einen Zusammenhang mit dem Pfarramt.

Justus, deine Eltern sind beide Pfarrer. Du hast dich entschieden, Marinesoldat zu werden. Das klingt erst mal wie das Gegenteil von Pfarrer.

Nee, kann ich eigentlich nicht bestätigen. Ich bin definitiv nicht Marinesoldat geworden, weil ich genau das Gegenteil von meinen Eltern machen wollte. Meine Eltern haben mir immer vermittelt, dass es wichtig ist, für die Gemeinschaft einzustehen. Ich dachte, das lässt sich gut mit dem Beruf eines Marineoffiziers vereinbaren.

Das ist kein Job, für den man sich so nebenbei entscheidet. Was hat dich daran fasziniert?

Ich habe eine große Faszination für das Meer – ich bin in Schleswig-Holstein aufgewachsen und war oft am Wasser. Aber mich hat auch die Kameradschaft begeistert, die in der Kaserne wirklich gelebt wird. Außerdem halte ich die Werte, für die Deutschland steht, nicht für selbstverständlich. Ich möchte gerne meinen Teil dazu beitragen, das zu erhalten.

Wie haben denn deine Eltern reagiert, als du ihnen von deinen Plänen erzählt hast?

Mein Vater war lange Militärpfarrer und sofort begeistert. Meine Mutter konnte meine Entscheidung auch nachvollziehen, aber sie musste sich erst mal mit dem Gedanken anfreunden, dass ihr Sohn irgendwann Kriegseinsätze mitmachen wird, dass ich vielleicht mal längere Zeit nicht erreichbar sein werde oder auch mal in eine brenzlige Situation kommen kann.

Gerade als Soldat an der Waffe steht man ja immer wieder vor ethischen Fragen. Spielt dein christlicher Hintergrund hier eine Rolle für dich?

Ich bin mit den christlichen Werten aufgewachsen, das ist so etwas wie ein fester Anker für mich. Wir haben bei der Bundeswehr ja auch Ethikunterricht, aber vor allem finde ich es beeindruckend, dass diese Werte vom Führungspersonal auch vorgelebt werden. Während der Grundausbildung gab es zum Beispiel eine Situation mitten im Wald, in der jemand aus unserer Gruppe nicht mehr konnte. Da hat unser Vorgesetzter sehr einfühlsam reagiert und ihm von Mensch zu Mensch Mut zugesprochen.

Pfarrer ist ja ein Beruf, der die ganze Familie beeinflusst. Wie ist es denn, wenn gleich beide Elternteile im Pfarramt arbeiten?

Wir waren ein sehr diskussionsfreudiger Haushalt. Ich weiß zwar nicht, ob das mit dem Pastorendasein zu tun hat, aber wir haben über viele Themen diskutiert, von Politik bis zur Kirche. Sonntags musste ich nicht unbedingt in den Gottesdienst, das war immer eine freiwillige Veranstaltung. Aber wenn ich dann dort saß und gesehen habe, dass die ganze Gemeinde gerade meinen Vater anschaut – das ist schon ein besonderes Gefühl, das nur Pfarrerskinder kennen.

"Wir waren ein sehr diskussionsfreudiger Haushalt. Wir haben über viele Themen diskutiert, von Politik bis zur Kirche."

Wie ist es denn, wenn man auf dem Präsentierteller einer Kirchengemeinde aufwächst. Wenn man in der Pubertät mit einer Bierflasche erwischt wird, weiß es doch gleich die ganze Gemeinde, oder?

Ja, das stimmt, darüber habe ich auch ab und zu mit meinen Eltern gesprochen. Aber ich bin nie wirklich in eine Situation gekommen, die irgendwie hätte peinlich werden können. Ich habe mich natürlich auch nicht mit der Bierflasche direkt vor die Kirche gesetzt. Mir war schon bewusst, dass ich meine Eltern repräsentiere.
Ab und zu sind auch Menschen zu mir gekommen und haben gesagt: „Ach, du bist doch der Sohn vom Pastor, was macht denn die Schule?“ Man selbst denkt dann innerlich: „Kenne ich die Person überhaupt?“ Aber eigentlich waren die Menschen aus unserer Gemeinde nicht aufdringlich, sondern einfach nur interessiert, und das hat mich dann immer gefreut.

Wir richten uns an Menschen, die gern Pfarrer werden wollen. Was glaubst du, sollte eine Pfarrerin oder ein Pfarrer können?

Ich glaube, man muss wirklich voll von dem Beruf überzeugt sein. Man transportiert ja eine Botschaft an Menschen, die daraus Kraft schöpfen und für die die Predigt ein Highlight der Woche ist. Außerdem muss man gut mit Menschen umgehen können, muss einfühlsam auf ihre Ängste und Nöte reagieren und vor allem Spaß an der Gemeinschaft haben – vom Kleinkind bis zum Senior. Man sollte sich vielleicht auch bewusst sein, dass man als Pastorin oder Pastor im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht. Wenn die Gemeinde zufrieden ist, dann ist alles gut, aber wenn nicht, dann bekommt man auch viel Kritik zu hören. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht immer einfach ist.

Justus Seiß ist 18 Jahre alt und hat vor Kurzem sein Abitur gemacht. Derzeit ist er bei der Bundeswehr an der Marineschule Mürwik, wo er den Weg des Offiziersanwärters eingeschlagen hat.

 

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